Heuschnupfen: Behandlung

Was hilft gegen Heuschnupfen Heuschnupfen behandeln – den Sommer genießen.

Bei der Behandlung von Heuschnupfen kommen verschiedene Therapie-Bausteine zum Einsatz. Grundsätzlich sollten Betroffene möglichst dem Prinzip der „Allergen-Karenz“ folgen, also den Kontakt zu den auslösenden Pollen so weit wie möglich vermeiden. Zur Linderung der Symptome stehen verschiedene Heuschnupfenmittel zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer sogenannten Hyposensibilisierung: Diese Behandlung ist langfristig angelegt und kann helfen, das Immunsystem an die Allergene zu „gewöhnen“.

Möglichkeiten der Heuschnupfen-Therapie im Überblick

Heuschnupfen – was tun? Wichtig ist ein frühzeitiger Therapiebeginn, um die Symptome rasch in den Griff zu bekommen. Zudem spielt eine konsequente Behandlung auch auf lange Sicht eine wichtige Rolle, um einer Ausbreitung der Pollenallergie auf die Lunge entgegenzuwirken.

Gut zu wissen: Mit der Zeit kann Heuschnupfen in ein allergisches Asthma übergehen. Diesen Prozess der Ausbreitung der Allergie auf die unteren Atemwege bezeichnen Mediziner auch als „allergischen Marsch“ oder „Etagenwechsel“.

Pollenallergie: Behandlung im Überblick

Grundsätzlich basiert die Behandlung von Heuschnupfen auf den folgenden drei Säulen:

Allergen-Karenz Heuschnupfen-Medikamente Hyposensibilisierung

Prinzip

Vermeidung des Kontakts zu den auslösenden Pollen.

Umsetzung

Allergie-Test: Auf welche Pollen reagiere ich allergisch?

Pollenflugkalender: Wann haben „meine“ Pollen Saison?

Aktuelle Pollenflug-Vorhersage beachten

Allgemeine Tipps für Heuschnupfen-Geplagte befolgen (z. B. abends Haare waschen) Mehr erfahren

Prinzip

Linderung der Symptome bei Heuschnupfen.

Medikamentöse Behandlung

Zur Einnahme: Tabletten (i. d. R. Antihistaminika)

Zur lokalen Behandlung: Nasensprays (z. B. Kortison-Sprays)

Zur Zusatzbehandlung

Salzwasser-Nasensprays können die medikamentöse Behandlung sinnvoll ergänzen.

Prinzip

Einzige ursächliche Therapie, die darauf abzielt, die allergische Reaktion abzutrainieren („Heuschnupfen-Impfung“).

Umsetzung

Beim Arzt: In regelmäßigen Abständen wird ein Allergenextrakt verabreicht (als Spritze, Tabletten oder Tropfen)

Anfangs: Wöchentliche Steigerung der Allergendosis

Dauer: ca. 3 Jahre

Nicht für alle Pollenallergiker geeignet

Sollte möglichst früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

Allen Heuschnupfen-Patienten wird empfohlen, den Kontakt mit den allergieauslösenden Pollen so gut wie möglich zu reduzieren. Da eine vollständige Allergen-Karenz in der Regel nicht erreicht werden kann, sind zusätzlich immer auch Medikamente erforderlich, um die Symptome in den Griff zu bekommen.

Welche Behandlungsmaßnahmen in Ihrem speziellen Fall geeignet sind und ob eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Wichtig: Bei der Behandlung von Kindern sind einige Besonderheiten zu beachten. Mehr erfahren.

Allergen-Karenz: Pollen-Kontakt meiden

In puncto Heuschnupfen gilt: Kein Pollen-Kontakt bedeutet keine lästigen Heuschnupfen-Symptome. Daher ist die sogenannte Allergen-Karenz − also die Meidung der Auslöser – eine sinnvolle Strategie, damit Beschwerden erst gar nicht entstehen.

Um den allergieauslösenden Pollen aus dem Weg gehen zu können, ist es wichtig, zu wissen, auf welche Pollen-Art man allergisch reagiert. Das kann mit einem Allergietest beim Facharzt (Allergologen) festgestellt werden. Vorab kann es hilfreich sein, ein Heuschnupfen-Tagebuch zu führen: Hier wird notiert, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Situation Beschwerden auftreten. Auf diese Weise lassen sich ebenfalls Rückschlüsse auf mögliche Auslöser ziehen.

Nach diesem Schritt kann die sogenannte Allergen-Karenz deutlich gezielter erfolgen. Das bedeutet konkret:

  • Werfen Sie einen Blick auf den Pollenflug-Kalender: Wann haben „Ihre“ Pollen Hochsaison?
  • Beachten Sie auch die aktuelle Pollenflug-Vorhersage für Ihre Region (der Pollenflug ist nicht nur von der Jahreszeit, sondern auch von der Wetterlage abhängig, so dass es hier immer wieder zu Abweichungen kommen kann)
  • Bei starkem Pollenflug: Allgemeine Verhaltens-Tipps beachten (z. B. Haare waschen am Abend, Fenster nachts geschlossen halten, bei starkem Pollenflug kein Sport im Freien)

Das Problem: Die Pollen sind überall. Mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen lässt sich der Kontakt sicherlich reduzieren, völlig vermeiden kann man ihn allerdings nicht. Daher wird es immer wieder zu Heuschnupfen-Symptomen kommen, die einer gezielten Behandlung bedürfen.

Heuschnupfen-Medikamente

Was hilft gegen Heuschnupfen? Die beiden wichtigsten Wirkstoffgruppen zur Behandlung der Symptome sind Antihistaminika und Glukokortikoide.

Antihistaminika:

  • Kommen oft in Form von Tabletten zum Einsatz
  • Blockieren die Wirkung von Histamin
  • Schneller Wirkeintritt
  • Verfügen nur über eine gewisse entzündungshemmende Wirkung
  • Werden vor allem „bei Bedarf“ eingesetzt, also wenn es darum geht, Symptome sehr schnell zu lindern

Glukokortikoide:

  • Kommen in der Regel als Nasenspray (Kortison-Nasensprays gegen Heuschnupfen) zum Einsatz, die deutlich besser verträglich sind als Kortison-Tabletten
  • Bewirken eine effektive Hemmung der Entzündung, wirken antiallergisch und abschwellend auf die Nasenschleimhäute
  • Die Wirkung setzt nach wenigen Stunden ein, das Wirkungsmaximum wird nach einigen Wochen erreicht
  • Um die optimale Wirkung zu erreichen, ist eine regelmäßige Anwendung wichtig
Gut zu wissen: Nasensprays auf Basis moderner Kortison-Wirkstoffe gelten als die effektivsten Medikamente für die Behandlung von Heuschnupfen. Daher werden sie speziell bei moderatem bis starkem Heuschnupfen auch in internationalen medizinischen Leitlinien* als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Grundsätzlich sollten Betroffene allerdings nicht einfach „auf eigene Faust“ aktiv werden – denn eine genaue ärztliche Diagnose und ein individuelles Behandlungskonzept sind unverzichtbar.

Heuschnupfen-Medikamente: Überblick über die Wirkstoffgruppen

Antihistaminika

  • Wirkung: Blockierung der Histamin-Wirkung (Histamin ist ein Botenstoff, der im Rahmen der Allergie vermehrt freigesetzt wird und die allergischen Symptome auslöst).
  • Lokale Antihistaminka: Nasensprays, Augentropfen
  • Orale Antihistaminika: Tabletten gegen Heuschnupfen
  • Heuschnupfen-Tabletten (vor allem ältere Wirkstoffe) machen oft müde und sollten daher bevorzugt abends eingenommen werden.
  • Bei Bedarf ist eine kombinierte Anwendung von Tabletten und Nasensprays oder Augentropfen möglich.

Mittel mit Kortison zur lokalen Anwendung (topische Steroide)

  • Wirkung: Ausgeprägte antientzündliche Wirkung
  • Lokale Anwendung: Kortison-Nasenspray
  • In der Regel rezeptpflichtig; ausgewählte Präparate seit Kurzem auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich
  • Die Kombination mit Antihistaminika ist möglich
  • Mit der Anwendung kann schon kurz vor Einsetzen der individuellen „Pollen-Saison“ begonnen werden
  • Mögliche Nebenwirkungen z. B. Kopfschmerzen, Nasenbluten

Abschwellende Nasensprays (Dekongestiva)

  • Wirkung: Abschwellen der Nasenschleimhaut
  • Zur lokalen Anwendung: Nasensprays oder Nasentropfen
  • Wird vor allem bei verstopfter Nase bzw. zu Beginn der Therapie eingesetzt
  • Wichtig: Nur zur kurzfristigen Behandlung geeignet

Mastzellstabilisatoren

  • Wirkung: Hemmen die Ausschüttung von Allergie-Botenstoffen (z. B. Histamin) aus Mastzellen
  • Zur lokalen Anwendung
  • Heute nicht mehr Mittel der ersten Wahl
  • Anwendung sollte rechtzeitig vorbeugend erfolgen

Leukotrienrezeptorantagonisten

  • Wirkung: Hemmen die Entzündungsreaktion nach Allergenkontakt in der Schleimhaut der Bronchien
  • Zur Einnahme
  • Können allein oder in Kombination mit einem Antihistaminikum eingesetzt werden.
Wichtig: Welche Heuschnupfen-Mittel in Ihrem Fall sinnvoll sind und ob eine Kombination verschiedener Medikamente erforderlich ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Nasenspray bei Heuschnupfen: Unterschiede

Die verstopfte Nase und der Fließschnupfen gehören zu den besonders unangenehmen Symptomen bei Heuschnupfen. Spezielle Nasensprays bieten die Möglichkeit einer örtlichen Behandlung und lindern die Symptome. Heutzutage stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung.

  • Abschwellende Nasensprays → wirken gegen die verstopfte Nase (nur zur Kurzzeitbehandlung anwenden)
  • Antihistaminika-Nasensprays → wirken gegen die laufende Nase
  • Kortison-Nasensprays -> haben eine ausgeprägte anti-entzündliche Wirkung und lindern alle nasalen Symptome (z. B. verstopfte Nase, laufende Nase)
  • Salzwasser-Nasensprays→ können die medikamentöse Behandlung sinnvoll ergänzen, da sie die gereizten Schleimhäute reinigen und pflegen.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema Mittel gegen Heuschnupfen.

Wissenswert: Viele Betroffene profitieren von den positiven Effekten einer Akupunktur bei Heuschnupfen als Zusatzbehandlung.

Hyposensibilisierung: Die „Heuschnupfen-Impfung“

Die einzige wirklich ursächliche Therapie bei Heuschnupfen ist die sogenannte Hyposensibilisierung (auch „Desensibilisierung“, „spezifische Immuntherapie“, „Allergie-Impfung“ genannt).

Dabei geht es darum, das Immunsystem nach und nach an das Allergen (also die Pollen) zu gewöhnen und somit eine allergische Reaktion künftig zu vermeiden.

Allerdings bedarf es für diese Methode viel Geduld: Die klassische Hyposensibilisierung erstreckt sich über etwa drei Jahre. In diesem Zeitraum verabreicht der Arzt zunächst in wöchentlich steigender Dosis eine bestimmte Menge an Allergen-Extrakt. Die maximale Dosis wird dann im Rahmen der Erhaltungsphase weiterhin über eine gewisse Zeit verabreicht (normalerweise nur noch alle vier Wochen).

Die Art der Verabreichung variiert – in Frage kommen grundsätzlich:

  • Injektion (Spritze in den Oberarm) (subkutane Therapie)
  • Tabletten (sublinguale Therapie)
  • Tropfen (sublinguale Therapie)

Um eine mögliche allergische Reaktion engmaschig zu überwachen, bleibt der Patient nach Verabreichung des Allergens normalerweise noch ca. 30 Minuten in der Praxis. Darüber hinaus ist am Tag der Behandlung üblicherweise auf Sport, Sauna und Alkohol zu verzichten.

Wichtig: Für bestimmte Personen (zum Beispiel bei Einnahme von Betablockern) ist eine Hyposensibilisierung kontraindiziert. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.

* ARIA Leitlinie: Brozek JL et al. Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA) guidelines: 2010 revision. J Allergy Clin Immunol. 2010 Sep;126(3):466-76.

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